Schule und Sporthalle, Dagmersellen

Verfahren: offener Wettbewerb, 4. Preis
Statik: Timbatec Holzbauingenieure, Zürich
Landschaftsarchitektur: Antón Landschaft, Zürich
Rendering: 3D Studio
Auftraggeber: Gemeinde Dagmersellen
Datum: Juni 2021

Situation

Der Baukörper bettet sich ähnlich wie die alte Turnhalle «Kastanie» in den Geländeversprung zwischen Pausenplatz und Spielwiese ein und definiert dadurch sowohl den Pausenplatz mit dem anschliessenden Park als auch die Spielwiese räumlich. Seitlich ist der Neubau mittig zwischen Kirche und Schulhaus «Buche» ausgerichet.
 Die grossen Abmessungen im Grundriss, welche sich durch die Dreifachturnhalle ergeben, sind in diesem Quartier neu. Dadurch, dass das Gebäude in der Höhe deutlich unter seinen Nachbarn bleibt, entzieht sich der relativ flache Baukörper dem direkten Vergleich und setzt sich vielmehr in Bezug zur Topografie und zu den umliegenden Aussenräumen. Er ermöglicht die Wahrnehmung des imposant aufsteigenden Dagmersellerwalds vom Gemeinde- und Pausenplatz her. Der Wald bildet eine starke, identitätsstiftende Kulisse dieses, für das öffentliche Dorfleben, wichtigen Orts.

Aussenraum

Durch den Rückbau des Schulhauses «Föhre» kann der Pausenplatz bis zur unteren Kirchfeldstrasse erweitert und somit gegenüber dem Ist-Zustand vergrössert werden. Eine dichte Baumgruppe in geometrischer Anordnung bildet nicht nur ein willkommenes Blätterdach, sondern auch einen räumlichen Filter zwischen den Parkplätzen und dem offenen Pausenplatz einerseits sowie zwischen dem Sportplatz und der Kirche andererseits. 
Zwischen dem Neubau und der «Arche» befindet sich über der instand gesetzten Zivilschutzanlage eine vielfältig nutzbare Magerwiese sowie das neue Kleintiergehege. Der neue Spielplatz befindet sich am Rande des Blätterdachs in der Nähe der Unteren Kirchfeldstrasse. Ein neuer Weg entlang des Neubaus schafft eine willkommene Verbindung vom Hartplatz zu den Schulhäusern «Birke» und «Ahorn». Der Weg ist durch das markante Dach des Neubaus geschützt und bildet somit einen erweiterten gedeckten Aussenraum mit Bezug zur Spielwiese.

Architektur

Hangseitig, bei Sportplatz und Spielwiese, präsentiert sich der Neubau als eingeschossiges langes Gebäude, welches zusammen mit seinem ausladenden Holzdach sowie der filigranen Glasfassade einen pavillonartigen Charakter erhält. Dieser Eindruck wird durch die freie, arealmittige Positionierung des Baukörpes, seine allseitige räumliche Orientierung sowie den ausformulierten Sockelbau aus Naturstein zusätzlich verstärkt. 
Die Platzfassade ist zweigeschossig gestaltet, wobei sich auf dem Platzniveau die Fensterreihe der Turnhalle in die steinerne Sockelarchitekur integriert und sich die darüberliegenden Aufenthaltsräume zwischen Sockel und robustem, schützendem Dach in eine leichte, freie Lerngalerie auflösen. Der steinerne Sockel bildet für das Pavillongeschoss einen Balkon auf der Platzseite aus, der nicht nur als Fluchtweg dient, sondern auch als Aussenraum der Tagesstrukturen, als Dach des Pausenbereichs mit Sitzmöglichkeiten bei den Turnhallenfenstern oder als direkten Zugang von den Aufenthalsräumen zum Pausenplatz.

Erschliessung

Das Eingangsgeschoss des Neubaus befindet auf der Höhe des Sportplatzes. Auf beiden Seiten des Gebäudes führen breite, flache Treppen vom grossen Pausenplatz hinauf zu den seitlichen Eingängen, ähnlich wie bei der alten Turnhalle «Kastanie». Die beiden Eingänge bei «Arche» und «Birke» sind gleichwertig ausgebildet und im Innen- und Aussenraum miteinander verbunden. 
Aus den beiden gleichwertigen Foyers gelangt man über zwei Vorräume, welche die Werkräume, den Lehrer- sowie den Hauswartbereich erschliessen, in eine zentrale, zenitalbelichtete Halle, die als Garderobe und Erschliessung der Aufenthaltsräume dient. 
Sämtliche Aufenthaltsräume sind auf den Pausenplatz ausgerichtet. Das Lehrerzimmer und das Büro der Hauswarte sind an den Gebäudeecken positioniert und dadurch sowohl auf den Pausenplatz als auch seitlich ausgerichtet, zur «Birke» respektive «Arche». Die Werkräume sind in der Mitte des grossflächigen Grundrisses angeordnet und verfügen dank der Oblichter über eine helle, konzentrierte Werkathmosphäre.
Von den beiden lateralen Eingängen her führt je eine Treppe direkt in die Garderoben hinunter. Aus dem Treppenhaus sieht man durch die Turnhalle auf den Pausenplatz. Ein Geschoss darunter befinden sich die Lehrergarderoben und Nebenräume und zuunterst die Turnhalle mit Geräteraum.

Konstruktion

Das Gebäude ist in Holzbauweise konstruiert. Die erdberührenden Bauteile sowie die Fluchttreppenhäuser sind aufgrund ihrer Anforderungen bezüglich Dichtigkeit und Brandschutz in Ortbeton vorgesehen. 
Der Sockelbau mit der Turnhalle ist in das Erdreich eingelassen und bildet eine wasserdichte Wanne. Die Turnhallendecke in Holzbauweise schliesst die Wanne ab. Das Dach des «Pavillons» überspannt die gleiche Grundfläche wie die Turnhallendecke über die kurze Seite von Betontrennwand bis Fassadenstützen und kragt beidseitig aus, einmal mehr und einmal weniger. Dies ermöglicht eine freie Raumaufteilung des Geschosses, was das Gebäude nutzungsneutral und somit zeitlos, wertstabil und nachhaltig macht.

Tragwerk Holzbau

Als Primärtragwerk kommen bei der Turnhallendecke sowie bei der Dachkonstruktion Träger aus Brettschichtholz (Fichte/Tanne) zum Einsatz. Diese werden mit einer Anfangsüberhöhung geplant, damit die Träger sehr wirtschaftlich eingesetzt werden können. Durch die beiden auskragenden Bereiche entsteht ein optimales statisches System der Dachträger. 
Bei der Turnhallendecke werden als Sekundärtragwerk Brettsperrholzplatten auf die Träger versetzt und beim Dach ausgedämmte Hohlkastenelemente in die Trägerebene eingelassen.
Für die Aussteifung werden Primär- und Sekundärtragwerk (Träger und Platten) zu Scheiben verbunden und an die Betonkonstruktion verankert. Um die Aussteifungskräfte vom Dach abzuleiten werden im Bereich der Glasfassade einzelne Aussteifungskreuze aus Metall eingeführt. 
Auf die Deckenplatten wird eine gebundene Schüttung aufgebracht, welche zum Schallschutz dient, aber auch für Installationen genutzt werden kann. Darüber wird ein konventioneller Bodenaufbau mit Trittschalldämmung und Unterlagsboden aufgebracht.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Das Gebäude ist kompakt gestaltet und weist ein flächeneffizientes Erschliessungssystem auf. Das einfache statische System ermöglicht einen konsequenten vertikalen Lastabtrag. Das Holztragwerk kann aus regionalem Tannenholz wirtschaftlich vorgefertigt werden, da es einen hohen Repetitionsgrad aufweist. Der hohe Anteil an vorgefertigten Elementen verspricht eine kurze Bauzeit.