Alterswohnungen, Riehen

Verfahren: offener Wettbewerb, 1. Preis
Statik: Schwarber Staub Bauingenieure
Landschaftsarchitektur: Alsina Fernández
Bauphysik: GS Bauphysik & Akustik
Auftraggeber: Alterssiedlungen Landpfrundhaus Riehen Bettingen
Datum: Juli 2019

Ausgangslage und Strategie

Das bestehende Gebäude ist in seinem Ursprung von hoher Qualität und ein schönes Beispiel für die Architektur der Sechzigerjahre. Die Wohnungsgrundrisse werden den heutigen Bedürfnissen nicht mehr gerecht. Der Projektvorschlag setzt das Potential und die typologischen Qualitäten des Gebäudes frei, baut Verunklärungen zurück und transferiert das Gebäude in Grundriss, Gestaltung und Technik ins Heute.

Das Gebäude besteht aus zwei Gebäudeteilen, Haus A und B. Dazwischen befindet sich der Eingang, sowie der Mehrzweckraum, an welchen die Terrasse auf der Ostseite angegliedert ist. Der Mehrzweckraum ist, zusammen mit der Terrasse, das Herz des Gebäudes. Hier findet das gemeinschaftliche Leben statt. Neu wird deshalb der Raum über die gesamte Gebäudetiefe vergrössert. Auf der Ostseite rückt die Fensterfront (wieder) soweit hinein, dass die Terrasse jederzeit, auch bei geschlossener Halle, direkt aus den beiden Treppenhäusern betreten und benützt werden kann. Der Eingang befindet sich neu im Tiefparterre. Über eine leichte Rampe gelangt man behindertengerecht zum grosszügigen, gedeckten Eingangsbereich unterhalb des Mehrzweckraums. Die Gebäudeteile A und B werden von hier aus separat erschlossen. Haus A und B sind autonom von einander organisiert. Das heisst, jedes Gebäude verfügt nicht nur über ein eigenes Treppenhaus, sondern auch über einen eigenen Lift, eigene Waschküche, Keller und Veloraum. Der Rückbau des bestehenden Liftes stärkt die Autonomie der beiden Gebäudeteile und schafft einen stärkeren Bezug von Strassen- und Gartenraum.

Gebäudetypologie

In die bestehende Schottenstruktur werden lediglich zwei Wohungsgrundtypen eingepasst: Die 2.5-Zimmerwohnung (Typ 2) und an den Stirnseiten jeweils die 1.5-Zimmerwohnung (Typ 1). Auf der Strassenseite wird die Gebäudetiefe bis zur Brüstung der jetzigen Balkonschicht ausgenützt, um dadurch für die 2.5-Zimmerwohnungen jeweils eine grosszügige Loggia anbieten zu könnnen. Die Loggien, drei Stück pro Gebäudeteil und Geschoss, gliedern die Fassade und verzahnen das Gebäude mit dem Strassenraum. Wohnung Typ 1 kann ganz einfach mit Typ 2 zu einer 3.5-Zimmerwohnung (Typ 3) zusammengelegt werden. Zwei Wohnungen Typ 2 können zu einer grosszügigen 4.5-Zimmerwohnung verbunden werden (Typ 4). Aufgrund der Ausnützungsreserve können die bestehenden Dachterrassen mit einer Dachwohnung Typ 1 ausgebaut werden.

Wohnungstypologie

Wesentliches Merkmal der 2.5-Zimmerwohnungen ist der grosszügige Wohnraum, der sich zwischen Loggia und Laubengang aufspannt und somit von Morgen- und Abendlicht durchflutet wird. Die grosse, opake Glausbausteinwand zum Laubengang schafft eine ganz besondere Stimmung und lässt subtil am Licht- und Schattenspiel von Sonne und Bäumen teilhaben. Aus dem Wohnraum hat man die Wahl entweder direkt ins Zimmer zu gehen, oder über die Küche am Bad vorbei ins Zimmer zu gelangen. Die Wohnungen werden über die Küche betreten, welche so proportioniert ist, dass ein Esstisch Platz hat. Bei Bedarf kann mit einem Garderobenschrank ein Eingangsbereich zoniert werden. Wird die Variante mit Tisch bevorzugt, ist es ein Leichtes, Gäste für eine Tasse Tee hereinzubitten, da die Küche in der Regel wenig Privates herzeigt, was die Hemmschwelle senkt und den Kontakt fördert.